Pikos Einschienenbahn in den 60er Jahren

Der VEB Piko brachte seine Einschienenbahn im Frühjahr 1964 in den Handel. In einem Artikel von Thomas Kuhlendahl aus der "Spielzeug Antik-Revue" von 11/2001 war da zu lesen:

Als der VEB Piko im Frühjahr 1964 seine Einschienenbahn in den Handel brachte, wurden diese Fahrzeuge noch als das Verkehrsmittel der Zukunft betrachtet - besonders für den Großstadtverkehr. Die Fahrbahn auf Stützen gebaut, verkehren die Fahrzeuge als Hochbahn über den Straßenverkehr hinweg. Luftbereifte Tragräder sowie seitliche Führungsräder sorgen für die Fortbewegung der Bahn, halten sie in der Spur und verhindern zugleich ein seitliches Abkippen. Das Fahrzeug umfasst also von oben und seitlich den Fahrbalken, weshalb bisweilen auch die Bezeichnung Einschienen-Reiterbahn verwendet wurde. Dieses Konstruktionsprinzip nahm sich Piko zum Vorbild. Das Signal - der Informationsdienst für Modellebahnartikel - technische und elektrische Spielwaren - stellte dieses, für die DDR seinerzeit sicherlich beachtenswerte Spielzeug, 1963 vor. Zum Preis von 49,50 DM (DM war damals die tatsächliche Währungsbezeichnung) bekam der Kunde einen dreiteiligen Triebwagenzug, zwölf gebogene und zwei gerade Fahrbalken mit Stützen sowie eine Anschlusslitze mit Kabelschuh. Eine mehrfarbige, graphisch recht gelungene Bedienungs- und Pflegeanleitung komplettierte den futuristisch gestalteten Karton.

Nach dem Zweileitersystem erfolgt die Stromzufuhr durch die in die Fahrbalken rechts und links eingelegten Stromschienen. Über die seitlichen Führungsrollen des Fahrzeugs wird der Strom zu dem 12-V-Gleichstrommotor weitergeleitet, der in dem Mittelteil des Fahrzeugs untergebracht ist. Das Fahrzeug besitzt zwei Stirn- und Heckleuchten, die umschaltbar sind. Das detaillierte Plastgehäuse ist silberfarben lackiert mit rotem Dach und roten Zierleisten. Die Stützpfeiler werden von unten in die Fahrbalken "eingesprengt": das gabelartige Kopfstück der Pfeiler hält jeweils zwei Fahrbalken zusätzlich fest zusammen. Durch Einsetzen unterschiedlich langer Zwischenstücke der Stützpfeiler kann die Fahrbalkenstrecke in verschiedene Höhen verlegt werden. Diese variablen Stützen lösten die zunächst vorgesehenen Reiterstützen von stets gleicher Höhe ab. Als Zubehör bot Piko elektrische Weichen an. Bei Verwendung von zusätzlichen Trennbalken konnte durch den eingebauten Stoppschalter verhindert werden, dass die Bahn eine falsch gestellte Weiche überfuhr. Mit dem so vollständig ausgerüsteten Sortiment konnte eine komplette Anlage mit interessanter Streckenführung errichtet werden. Festzustellen ist jedoch, dass die Fahrpraxis nicht ganz unproblematisch ist. Ein schwergängiges Getriebe sorgt für beträchtliche Aufwärmung des Motors, die zu entsprechenden Schäden führen kann. Die recht fest an die Fahrbalken gepressten Stromabnehmer sowie die Abnutzung der Gummiantriebsrollen beeinträchtigen die Traktion. Geschickte Bastler können sicherlich Abhilfe schaffen. Für den häufigen und andauernden Spielbetrieb jedoch ist die Piko-Einschienenbahn wohl weniger geeignet. Die schwierige Ersatzteilbeschaffung sowie die  unbefriedigenden Fahreigenschaften der serienmäßig hergestellten Bahn sorgten denn auch dafür, dass die Einschienenbahn frühzeitig vom Markt genommen wurde. Es ist jedenfalls schade, dass es den Ingenieuren aus Sonnenberg nicht vergönnt war, dieses interessante und vom Prinzip her gut durchdachte Spielzeug weiter zu entwickeln. Eine Anerkennung verdient es jedoch allemal.